Rechnungen schreiben, Belege sammeln, Kontoauszüge prüfen, Umsatzsteuer-Voranmeldung vorbereiten und am Jahresende die EÜR erstellen – die Buchhaltung gehört zu den Aufgaben, die wir als freiberufliche Übersetzerinnen und Übersetzer neben unserer eigentlichen Arbeit erledigen müssen.
Aber lohnt sich dafür wirklich eine Buchhaltungssoftware?
Gerade als Berufsanfänger oder wenn du nur nebenberuflich übersetzt, scheint eine Excel-Tabelle zunächst völlig ausreichend. Mit zunehmender Zahl an Kunden und Belegen wird die manuelle Buchhaltung allerdings schnell zeitaufwendig. Und bei Kunden aus dem EU-Ausland oder aus Drittländern kommen zusätzliche umsatzsteuerliche Besonderheiten hinzu.
In diesem Artikel schauen wir uns deshalb an, wann sich Buchhaltungssoftware für Übersetzer lohnt, welche Funktionen wirklich wichtig sind und welche Programme sich für unterschiedliche Situationen eignen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar. Gerade bei grenzüberschreitenden Leistungen solltest du im Zweifel mit deinem Steuerberater oder deiner Steuerberaterin klären, wie dein konkreter Fall umsatzsteuerlich zu behandeln ist.
Brauche ich als Übersetzer überhaupt eine Buchhaltungssoftware?
Nein – vorgeschrieben ist nicht, dass du eine bestimmte Software verwendest.
Als Freiberufler kannst du deine Einnahmen und Ausgaben grundsätzlich auch mit anderen Mitteln dokumentieren. Für die meisten professionell arbeitenden Übersetzer ist eine geeignete Software aber eine erhebliche Arbeitserleichterung.
Denn eine gute Buchhaltungslösung kann mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen:
- Rechnungen erstellen
- Rechnungen automatisch nummerieren
- Angebote erstellen
- Zahlungseingänge über das Bankkonto abgleichen
- Belege digital archivieren
- Rechnungen und Quittungen per App scannen
- Belege automatisch auslesen
- wiederkehrende Ausgaben erfassen
- E-Rechnungen empfangen und verarbeiten
- EÜR vorbereiten
- Umsatzsteuer-Voranmeldungen unterstützen
- Umsatzsteuererklärung vorbereiten
- Daten für den Steuerberater exportieren
- Rechnungen an Kunden im EU-Ausland oder in Drittländern abbilden
Gerade der letzte Punkt ist für Übersetzer interessant. Denn wir arbeiten häufig nicht nur mit deutschen Privatkunden, sondern auch mit Übersetzungsagenturen, Unternehmen, Kollegen und Privatpersonen im Ausland.
Welche Features braucht ein Übersetzer bei der Buchhaltungssoftware wirklich?
Nicht jede Funktion, die eine große Buchhaltungssoftware anbietet, ist für uns notwendig.
Für einen klassischen Solo-Freelancer würde ich vor allem auf diese Punkte achten:
1. Rechnungen
Natürlich sollte die Software schnell professionelle Rechnungen erstellen können.
Für Übersetzer besonders praktisch:
- Wortpreise
- Zeilenpreise
- Seitenpreise
- Pauschalpreise
- Beglaubigungskosten
- Versandkosten
- Expresszuschläge
- verschiedene Dienstleistungen
Idealerweise kannst du diese Leistungen einmal als Artikel oder Dienstleistungen hinterlegen und musst sie bei der nächsten Rechnung nur noch auswählen.
2. Rechnungen ins EU-Ausland
Das ist ein wichtiger Punkt.
Wenn du beispielsweise für eine Übersetzungsagentur in Spanien, Frankreich oder Österreich arbeitest, kann die umsatzsteuerliche Behandlung anders aussehen als bei einer Rechnung an einen deutschen Privatkunden.
Eine gute Software sollte deshalb nicht nur „0 % Umsatzsteuer“ anbieten, sondern unterschiedliche steuerliche Fälle abbilden können.
Bei einer innergemeinschaftlichen sonstigen Leistung an einen Unternehmer kann beispielsweise das Reverse-Charge-Verfahren relevant sein.
Die Software sollte dich dabei unterstützen – sie ersetzt aber nicht die steuerliche Prüfung des konkreten Sachverhalts.
3. Rechnungen in Drittländer
Auch das kommt bei Übersetzern durchaus häufig vor.
Ein Kunde kann beispielsweise in
- der Schweiz
- Großbritannien
- den USA
- Kanada
- Australien
- Lateinamerika
sitzen.
Dabei ist zunächst wichtig, ob es sich um einen Unternehmer oder eine Privatperson handelt und wo der Leistungsort liegt.
Eine gute Buchhaltungssoftware sollte deshalb zwischen verschiedenen Auslandssachverhalten unterscheiden können und nicht einfach nur eine Rechnung mit „0 %“ erzeugen.
4. Belegscan
Das ist meiner Meinung nach eine der nützlichsten Funktionen überhaupt.
Du bekommst eine Rechnung per E-Mail?
→ Weiterleiten.
Du hast einen Papierbeleg?
→ Mit dem Smartphone fotografieren.
Du erhältst eine PDF-Rechnung?
→ Hochladen.
Eine gute Software liest anschließend beispielsweise
- Rechnungssteller
- Rechnungsnummer
- Datum
- Betrag
- Umsatzsteuer
- teilweise auch die Art der Ausgabe
automatisch aus.
Damit entfällt ein großer Teil der manuellen Dateneingabe.
Die größte Erleichterung: Umsatzsteuer-Voranmeldung per Klick
Für viele Freiberufler ist das der Punkt, an dem sich eine Buchhaltungssoftware wirklich bezahlt macht.
Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist, musst du deine Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA) je nach deiner steuerlichen Situation regelmäßig an das Finanzamt übermitteln.
Die Software kann die dafür relevanten Daten aus deinen erfassten Rechnungen und Belegen automatisch zusammenstellen.
Das bedeutet im Idealfall:
Rechnungen erfassen → Ausgaben und Belege erfassen → Bankumsätze zuordnen → Umsatzsteuer-Voranmeldung prüfen → mit wenigen Klicks ans Finanzamt übermitteln.
Bei Lexware Office werden beispielsweise die Buchungen automatisch den entsprechenden Positionen der Umsatzsteuer-Voranmeldung zugeordnet. Nach der Prüfung kann die UStVA direkt aus der Software an das Finanzamt übermittelt werden.
Das Entscheidende dabei ist allerdings:
Die Software kann nur so gut arbeiten wie deine Buchhaltung vollständig ist.
Alle relevanten Einnahmen und Ausgaben des betreffenden Zeitraums müssen erfasst und korrekt zugeordnet sein.
Gerade bei einer Einnahmenüberschussrechnung mit vielen kleinen Belegen ist deshalb der automatische Belegimport bzw. Belegscan eine enorme Arbeitserleichterung.
Wenn du beispielsweise eine Rechnung für ein Software-Abonnement hochlädst, kann die Software die relevanten Daten aus dem Beleg auslesen und – je nach Sachverhalt und deinen Einstellungen – die entsprechende Umsatzsteuer bzw. Vorsteuer berücksichtigen.
Bei ausländischen Dienstleistungen können zusätzlich besondere umsatzsteuerliche Regelungen wie das Reverse-Charge-Verfahren relevant sein.
Und was ist mit der Umsatzsteuererklärung?
Die jährliche Umsatzsteuererklärung ist von der Umsatzsteuer-Voranmeldung zu unterscheiden.
Wer umsatzsteuerpflichtig ist, muss grundsätzlich zusätzlich eine Jahreserklärung abgeben; die unterjährig geleisteten Vorauszahlungen werden dabei berücksichtigt. Für Kleinunternehmer gelten Besonderheiten.
Auch hier ist eine sauber geführte digitale Buchhaltung eine große Hilfe: Je vollständiger deine Einnahmen, Ausgaben und steuerlich relevanten Belege während des Jahres erfasst wurden, desto weniger musst du am Jahresende mühsam zusammensuchen.
Genau deshalb lohnt sich die Software
Der eigentliche Vorteil ist also nicht unbedingt, dass eine Buchhaltungssoftware dir „das Buchen abnimmt“.
Der große Vorteil ist, dass du deine Buchhaltung einmal laufend sauber führst und daraus anschließend viele Auswertungen und Steuerdaten automatisch entstehen.
Statt am Ende des Monats oder Quartals
- Rechnungen zusammenzusuchen,
- Vorsteuerbeträge aus PDFs herauszuschreiben,
- Umsatzsteuer zu berechnen,
- Einnahmen und Ausgaben in Tabellen zu übertragen und
- die Werte anschließend manuell in ELSTER einzugeben,
kannst du deine Daten direkt aus der laufenden Buchhaltung verwenden.
Wenn alle Belege und Geschäftsvorfälle vollständig erfasst sind, wird die Umsatzsteuer-Voranmeldung damit tatsächlich zu einem Vorgang, der nur noch wenige Klicks erfordert.
Für einen hauptberuflichen Übersetzer, der jeden Monat zahlreiche Rechnungen und Belege verarbeitet, kann genau diese Zeitersparnis den Unterschied machen.
E-Rechnungspflicht ab 2028: Darauf sollten Übersetzer jetzt achten
Ein weiterer wichtiger Grund, bei der Auswahl einer Buchhaltungssoftware auf die Zukunftsfähigkeit zu achten, ist die schrittweise Einführung der verpflichtenden E-Rechnung.
Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland grundsätzlich in der Lage sein, E-Rechnungen zu empfangen. Für das Ausstellen von E-Rechnungen gelten jedoch noch Übergangsregelungen.
Ab 2028 wird die E-Rechnung für B2B-Rechnungen grundsätzlich Pflicht
Ab dem 1. Januar 2028 müssen inländische Unternehmen bei entsprechenden B2B-Umsätzen grundsätzlich E-Rechnungen ausstellen und übermitteln. Bis Ende 2027 können insbesondere kleinere Unternehmen aufgrund der Übergangsregelungen in vielen Fällen noch eine herkömmliche Rechnung bzw. PDF-Rechnung verwenden.
Für Übersetzer ist das besonders relevant, weil viele nicht nur für Privatkunden arbeiten, sondern regelmäßig Rechnungen an
- Übersetzungsagenturen,
- Unternehmen,
- Rechtsanwaltskanzleien,
- Behörden oder
- andere Geschäftskunden
stellen.
Wer heute eine Buchhaltungssoftware auswählt, sollte deshalb darauf achten, dass sie nicht nur normale PDF-Rechnungen erstellen kann, sondern auch echte E-Rechnungen unterstützt.
Mehr zum Thema E-Rechnung kannst du hier nachlesen.
Nebentätigkeit: Was ist sinnvoll?
Bei einer kleinen nebenberuflichen Übersetzungstätigkeit ist die Situation ähnlich.
Wenn du beispielsweise
- 5–15 Rechnungen monatlich
- wenige Ausgaben
- keine Mitarbeiter
- keine komplizierte Warenwirtschaft
hast, brauchst du kein riesiges Buchhaltungssystem.
Hier sind günstige Pakete interessant.
Papierkram positioniert sein S-Paket ausdrücklich für Gründer, Kleinunternehmer und nebenberuflich Selbstständige. Auch ein kostenloser Einstieg ist möglich.
Wenn die Zahl der Belege wächst, kann sich ein kostenpflichtiger Tarif trotzdem schnell rechnen, weil du weniger Zeit mit der Buchhaltung verbringst.
Kleinunternehmer: Ausland unbedingt berücksichtigen
Die Bezeichnung „Kleinunternehmer“ führt bei der Auswahl der Software manchmal auf die falsche Spur.
Nur weil du die Kleinunternehmerregelung anwendest, bedeutet das nicht automatisch, dass alle Auslandsgeschäfte genauso funktionieren wie deutsche Rechnungen.
Gerade wenn du für ausländische Unternehmen arbeitest, solltest du die steuerliche Behandlung deiner Leistungen vorher klären.
Deshalb würde ich auch als Kleinunternehmer darauf achten, dass die Software
- EU-Kunden
- Drittlandskunden
- unterschiedliche Umsatzsteuerfälle
- entsprechende Rechnungshinweise
- E-Rechnungen
- digitale Belegarchivierung
unterstützt.
Vollzeit-Übersetzer: Hier lohnt sich die Automatisierung
Wenn du hauptberuflich übersetzt und beispielsweise 20, 30 oder noch mehr Rechnungen im Monat stellst, sieht die Sache anders aus.
Dann geht es nicht mehr nur darum, eine Rechnung zu schreiben.
Du möchtest möglichst wenig Zeit mit der Verwaltung verbringen.
Ein sinnvoller Workflow könnte beispielsweise so aussehen:
Auftrag → Rechnung → Zahlungseingang → automatische Zuordnung → Belegarchiv → Buchhaltung → Steuerdaten
Je besser diese Schritte miteinander verbunden sind, desto weniger Verwaltungsarbeit bleibt übrig.
Die drei interessantesten Programme für Übersetzer
1. Lexware Office
Lexware Office ist eine der bekanntesten cloudbasierten Buchhaltungslösungen in Deutschland.
Für Übersetzer interessant sind insbesondere:
- Rechnungen
- Angebote
- Belegverwaltung
- Banking
- E-Rechnungen
- EÜR
- Umsatzsteuer
- DATEV-Anbindung
- Belegscan
- Auslandssachverhalte
- Umsatzsteuer-Voranmeldung
Besonders interessant für Übersetzer ist die Unterstützung von Rechnungen an EU-Unternehmen und Unternehmen in Drittländern.
Auch Eingangsrechnungen aus dem Ausland können in entsprechenden §13b-Fällen erfasst werden.
Das ist beispielsweise relevant, wenn du Dienstleistungen von ausländischen Anbietern beziehst.
Denkbar sind hier etwa:
- Software
- Cloud-Dienste
- Online-Werbung
- Übersetzungstools
- KI-Dienste
- Hosting
Gerade bei solchen Rechnungen solltest du darauf achten, ob Umsatzsteuer ausgewiesen wird und wie der konkrete Sachverhalt steuerlich zu behandeln ist.
Preis
Die regulären Pakete beginnen derzeit bei 7,90 € netto monatlich. Die umfangreicheren Varianten kosten 12,90 €, 21,90 € bzw. 32,90 € netto monatlich.
Für einen Vollzeit-Freelancer ist insbesondere interessant, welche Funktionen im jeweiligen Paket enthalten sind. Die Unterstützung bestimmter Auslandssachverhalte und Funktionen wie die Übermittlung der Zusammenfassenden Meldung sind tarifabhängig.
2. sevdesk
sevdesk ist ebenfalls stark auf Selbstständige und kleine Unternehmen ausgerichtet.
Die Oberfläche ist vergleichsweise einfach und gerade für Personen interessant, die sich nicht erst intensiv in eine komplexe Buchhaltungssoftware einarbeiten möchten.
Zur Verfügung stehen unter anderem:
- Rechnungen
- Angebote
- Belege
- Banking
- E-Rechnungen
- Buchhaltung
- Steuerfunktionen
- Belegscan
- wiederkehrende Rechnungen
- Fremdwährungen bzw. internationale Rechnungen
Besonders praktisch können wiederkehrende Rechnungen sein.
Wenn du beispielsweise für einen Kunden jeden Monat dieselbe Pauschale abrechnest, musst du die Rechnung nicht jedes Mal komplett neu erstellen.
Preis
sevdesk bietet einen kostenlosen Einstieg sowie kostenpflichtige Pakete an. Der Rechnungs-Tarif beginnt derzeit bei 12,90 € monatlich, die Buchhaltung ab 25,90 €.
Für einen Übersetzer ist allerdings entscheidend, welche Funktionen du tatsächlich brauchst. Wenn du lediglich Rechnungen schreiben möchtest, reicht ein Rechnungstarif möglicherweise aus. Wenn du deine komplette Buchhaltung abbilden möchtest, brauchst du entsprechend mehr.
3. Papierkram
Papierkram ist besonders für Freiberufler interessant und preislich attraktiv.
Es gibt einen kostenlosen Einstieg sowie kostenpflichtige Pakete.
Interessant sind unter anderem:
- Rechnungen
- Angebote
- E-Rechnungen
- Belegerfassung
- Buchhaltung
- EÜR
- Umsatzsteuer
- Umsatzsteuer-Voranmeldung
- Projekte
- Zeiterfassung
- wiederkehrende Belege
- Auslandssachverhalte
Gerade die Kombination aus Projektverwaltung und Zeiterfassung kann für Übersetzer interessant sein.
Wenn du beispielsweise nach Stunden abrechnest, kannst du deine Arbeitszeiten direkt im System erfassen.
Für reine Urkundenübersetzer, die hauptsächlich Pauschalpreise für einzelne Dokumente abrechnen, ist die Zeiterfassung dagegen möglicherweise weniger wichtig.
Lexware Office, sevdesk oder Papierkram?
Für Übersetzer würde ich nicht einfach nach dem billigsten Anbieter entscheiden.
| Funktion | Lexware Office | sevdesk | Papierkram |
|---|---|---|---|
| Rechnungen | ✓ | ✓ | ✓ |
| E-Rechnung | ✓ | ✓ | ✓ |
| Belegscan | ✓ | ✓ | ✓ |
| Banking | ✓ | ✓ | ✓ |
| EÜR | ✓ | ✓ | ✓ |
| EU-Kunden | ✓ | ✓ | ✓ |
| Drittland | ✓ | ✓ | ✓ |
| Wiederkehrende Rechnungen | ✓ | ✓ | ✓ |
| Wiederkehrende Belege | ✓ | ✓ | ✓ |
| Zeiterfassung | eher Zusatzfunktion | Zusatzfunktion | ✓ |
| DATEV | ✓ | ✓ | ✓ |
| UStVA | ✓ | ✓ | ✓ |
| UStVA direkt übermitteln | ✓ | ✓ | ✓ |
| kostenloser Einstieg | – | ✓ | ✓ |
Die konkreten Funktionen unterscheiden sich teilweise nach Tarif. Deshalb solltest du vor dem Abschluss immer die aktuelle Tarifübersicht prüfen.
Was ist mit easybill?
Eine weitere bekannte Lösung ist easybill.
easybill ist vor allem dann interessant, wenn dein Schwerpunkt auf professioneller Rechnungsstellung liegt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Rechnungen
- Angebote
- E-Rechnungen
- wiederkehrende Dokumente
- Belegverwaltung
- teilweise automatisierte Belegerfassung
Wenn du dagegen eine möglichst vollständige Buchhaltung für deine freiberufliche Tätigkeit suchst, würde ich zunächst Lexware Office, sevdesk und Papierkram vergleichen.
Worauf sollten Übersetzer bei der Softwareauswahl besonders achten?
Nicht nur auf „Rechnung schreiben“ schauen
Die Rechnung ist nur ein kleiner Teil unserer Verwaltung.
Wichtiger ist der gesamte Ablauf.
Gute Software sollte möglichst:
1. Rechnungen schnell erstellen
Am besten mit gespeicherten Leistungen und Preisen.
2. Auslandskunden unterscheiden können
EU und Drittland sollten nicht einfach unter „0 % Umsatzsteuer“ zusammengefasst werden.
3. Belege automatisch erfassen
Je weniger Daten du abtippen musst, desto besser.
4. Wiederkehrende Kosten verwalten
Das spart bei regelmäßigen Software- und Versicherungskosten Zeit.
5. Bankbewegungen importieren
Dann kannst du Zahlungseingänge schneller Rechnungen zuordnen.
6. E-Rechnungen verarbeiten
Das Thema wird auch für Freiberufler immer relevanter.
7. Umsatzsteuer-Voranmeldung automatisch vorbereiten
Das ist einer der größten praktischen Vorteile gegenüber einer einfachen Excel-Lösung.
8. Daten für die Steuerberatung bereitstellen
Falls du mit einem Steuerbüro arbeitest, sollte ein sauberer DATEV- oder vergleichbarer Export möglich sein.
Besonders wichtig: ausländische Software-Abos
Ein Punkt wird von Freiberuflern meiner Meinung nach häufig unterschätzt.
Wir kaufen heute ständig digitale Dienstleistungen aus dem Ausland.
Beispiele:
- CAT-Tools
- Cloudspeicher
- Adobe
- Google-Dienste
- Hosting
- KI-Tools
- Online-Werbung
- Fachsoftware
Dabei kann die Rechnung beispielsweise aus Irland, den USA oder einem anderen Land kommen.
Bei bestimmten Dienstleistungen kann das Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG relevant sein.
Das bedeutet: Nicht einfach jede ausländische Rechnung als normale Betriebsausgabe buchen.
Eine gute Buchhaltungssoftware kann die korrekte Erfassung solcher Fälle erleichtern. Sie nimmt dir aber nicht die Verantwortung ab, zu prüfen, welcher Sachverhalt tatsächlich vorliegt.
Datenschutz: Gerade für Übersetzer wichtig
Bei einer Buchhaltungssoftware landen viele personenbezogene Daten:
- Namen
- Adressen
- Rechnungsdaten
- Bankverbindungen
- Kundeninformationen
- teilweise Projektdaten
Für uns als Übersetzer kommt hinzu, dass wir mit besonders sensiblen Dokumenten arbeiten können.
Bei der Auswahl einer Cloudsoftware würde ich deshalb mindestens prüfen:
- Wo werden die Daten gespeichert?
- Gibt es eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung?
- Welche Unterauftragnehmer werden eingesetzt?
- Wie funktioniert die Datensicherung?
- Welche Daten werden für KI-Funktionen verarbeitet?
- Wie lange werden Daten gespeichert?
- Kann ich Daten exportieren?
Auch wenn eine Software DSGVO-konform betrieben werden kann, solltest du die jeweiligen Datenschutzinformationen und Vertragsbedingungen selbst prüfen.
Lohnt sich Buchhaltungssoftware also?
Berufsanfänger
Nicht zwingend – aber sinnvoll.
Bei wenigen Rechnungen kann eine kostenlose Lösung vollkommen ausreichen.
Nebentätigkeit
Ja, meistens.
Schon ein günstiges Paket kann dir viel Verwaltungsarbeit abnehmen.
Kleinunternehmer
Ja – insbesondere bei Auslandskunden.
Hier solltest du bei der Auswahl nicht nur auf den Preis achten, sondern darauf, ob die relevanten EU- und Drittlandssachverhalte abgebildet werden können.
Vollzeit-Übersetzer
Ja – insbesondere wenn du umsatzsteuerpflichtig bist.
Wenn du jeden Monat zahlreiche Rechnungen und Belege hast, ist die Zeitersparnis durch automatischen Belegimport, Banking, wiederkehrende Buchungen und die weitgehend automatisierte Umsatzsteuer-Voranmeldung schnell größer als die monatlichen Softwarekosten.
Unser Fazit für Übersetzer
Eine Buchhaltungssoftware muss für uns nicht möglichst viele Funktionen haben.
Sie muss vor allem die richtigen Funktionen haben.
Für einen Übersetzer würde ich deshalb besonders auf diese Punkte achten:
1. EU-Rechnungen
2. Drittland-Rechnungen
3. §13b-Fälle bei ausländischen Dienstleistern
4. automatischer Belegscan
5. wiederkehrende Rechnungen und Ausgaben
6. automatische Vorbereitung und Übermittlung der Umsatzsteuer-Voranmeldung
Gerade Punkt 6 kann im Alltag einen enormen Unterschied machen. Wenn alle Einnahmen, Ausgaben und Belege laufend erfasst und korrekt zugeordnet werden, müssen die Daten für die UStVA nicht jedes Mal mühsam aus verschiedenen Dateien zusammengesucht werden.
Wenn du nur wenige Rechnungen im Monat stellst, reicht eine günstige Einstiegslösung.
Wenn du hauptberuflich als Übersetzer arbeitest, würde ich dagegen in eine Lösung investieren, die möglichst viele Verwaltungsaufgaben automatisiert.
Für viele Kolleginnen und Kollegen dürften Lexware Office, sevdesk und Papierkram deshalb die drei Programme sein, die sich am ehesten für einen Praxistest anbieten.
Und noch ein Tipp aus der Praxis: Teste die Software nicht nur mit einer deutschen Beispielrechnung.
Lege dir stattdessen fünf typische Fälle aus deinem Übersetzeralltag an:
- deutsche Privatkundin – beglaubigte Übersetzung
- deutsche Agentur – Übersetzungsauftrag
- spanische Übersetzungsagentur – B2B
- Schweizer Firmenkunde – B2B
- Rechnung eines ausländischen Softwareanbieters an dich
Wenn die Software diese Fälle verständlich und sauber abbilden kann, hast du bereits einen viel aussagekräftigeren Test als nach einer reinen Funktionsliste.
Denn genau darin liegt für uns Übersetzer der Unterschied zwischen einer Software, die theoretisch alles kann – und einer Software, die im Arbeitsalltag tatsächlich Zeit spart.
Weitere Nützliche Tools für Urkundenübersetzer findest du hier.





