Nützliche Tools für Urkundenübersetzer

Nützliche Tools für Urkundenübersetzer

Professionelle Urkundenübersetzer benötigen heute weit mehr als nur Sprachkompetenz. Der Anspruch an eine perfekte Urkundenübersetzung ist hoch und der Übersetzungsprozess darf nicht allzu lang dauern. Denn für uns Freelancer gilt vor allem eins: Zeit ist Geld! Neben dem Übersetzen an sich müssen wir schließlich auch noch die Kundenkommunikation und -beratung, die Buchhaltung und, allem voran, die Kundenakquise handeln. Dabei müssen wir wichtige Punkte wie den Datenschutz berücksichtigen und bestimmte Regeln einhalten.

Effiziente Software, sichere Recherchetools, zuverlässige OCR‑Programme und datenschutzkonforme Workflows sind entscheidend, um hochwertige beglaubigte Übersetzungen zu erstellen und Zeit zu sparen. Dieser Leitfaden stellt die wichtigsten Werkzeuge vor – strukturiert, praxisnah und mit klaren Hinweisen zu Datenschutz und Einsatzmöglichkeiten.

Tools für Übersetzer: Übersetzungssoftware (CAT‑Tools)

CAT‑Tools waren für Urkundenübersetzungen lange nicht zwingend erforderlich, viele Dokumente waren sowieso nicht oder nicht gut genug konvertierbar. Dafür zahlen sie sich aber bei der Arbeit an Fließtexten wie Verträgen und notariellen Protokollen aus. Nun sind wir in der Digitalisierung einen Schritt weiter, die meisten Dokumente lassen sich schon ganz gut konvertieren und für die Übersetzung mit einer Übersetzungssoftware verwenden. Eine gute Übersetzungssoftware erleichtert uns natürlich auch heute noch das Leben. Hier seien drei der gängigsten Übersetzungssoftware-Programme mit CAT-Tool kurz genannt.

SDL Trados Studio / Go

SDL Trados ist ein professionelles CAT‑Tool mit Translation Memory und umfangreichen Funktionen zur Textanalyse – und für uns bei der Arbeit mit notariellen Urkunden schlicht unverzichtbar. Viele Teile spanischsprachiger Urkunden, etwa Datenschutzbelehrungen oder Standardklauseln, wiederholen sich oder ähneln einander stark. Ohne Translation Memory sucht man die vorherige Übersetzung jedes Mal aufs Neue. Mit Trados erscheint sie automatisch – das spart Zeit und sorgt für Konsistenz.

Sehr empfehlenswert ist außerdem der Aufbau einer eigenen Terminologie-Datenbank, zum Beispiel für den Fachbereich Recht. Im Laufe der Jahre kommen so hunderte gut recherchierter Termini zusammen, die das Nachschlagen im Wörterbuch oft überflüssig machen.

Unser Workflow für längere Fließtexte ab einer DIN-A4-Seite: Zuerst mit ABBYY nach Word konvertieren, dann vorformatieren, dann in Trados bearbeiten. Zur Vorformatierung gehört:

  • Prüfen, ob alles korrekt konvertiert wurde und die richtige Sprache eingestellt war – Hintergrundfarben und Bilder dabei deaktivieren, da sie nur stören
  • Rechtschreibprüfung durchführen
  • Absatzmarken kontrollieren, damit Segmente nicht mitten im Satz enden
  • Schriftgröße und Schriftart ggf. vereinheitlichen
  • Doppelte Leerzeichen über die Word-Suchfunktion entfernen

Am Anfang ist dieser Schritt etwas Aufwand – er lohnt sich aber mit der Zeit definitiv.

Trados wird ausschließlich als Monats- oder Jahresabo angeboten. BDÜ-Mitglieder erhalten derzeit 25 % Rabatt (Stand April 2026).

Datenschutz-Hinweis: Lokale Installation – personenbezogene Daten bleiben auf dem eigenen Rechner. RWS gewährleistet durch ISO-Zertifizierung und spezielle Sicherheitsmaßnahmen den Schutz der Daten in der Language Cloud.

Wordfast

Wordfast ist eine schlanke und kostenfreundliche Alternative zu Trados, die besonders bei Freelancern beliebt ist, die ein solides CAT-Tool ohne großen Funktionsoverhead suchen. Es gibt zwei Varianten: Wordfast Classic läuft als Plug-in direkt in Microsoft Word – ideal für alle, die in ihrer gewohnten Arbeitsumgebung bleiben möchten. Wordfast Anywhere ist die browserbasierte Version und damit ortsunabhängig nutzbar. Translation Memory und Terminologieverwaltung sind natürlich auch hier an Bord. Für Gelegenheitsnutzer gibt es eine kostenlose Version mit einer Begrenzung auf 500 Translation-Memory-Einheiten.

Derzeit kein BDÜ-Rabatt vorhanden

MemoQ

MemoQ ist in Übersetzungsbüros und bei Agenturen weit verbreitet und punktet vor allem bei der Zusammenarbeit mit Auftraggebern, die ebenfalls mit MemoQ arbeiten – denn dann lassen sich Projekte und Translation Memories direkt teilen. Für Einzelübersetzerinnen bietet MemoQ eine Freelancer-Lizenz zu einem moderaten Preis. Die Benutzeroberfläche ist etwas komplexer als bei Trados, dafür bietet das Tool starke Qualitätssicherungsfunktionen (QA-Checks), die bei der Konsistenz in langen Urkundentexten sehr hilfreich sein können.

Tools für Übersetzer: Wörterbücher & Recherchetools

Diese Tools unterstützen bei Terminologie, Layout, Recherche und Verständnis – besonders wichtig bei seltenen Begriffen oder schwer lesbaren Scans.

Online-Wörterbücher & Fachwörterbücher

Kein CAT-Tool und keine KI ersetzt bisher ein gutes Fachwörterbuch, wenn es um juristische Präzision geht. Gerade bei Begriffen aus dem Notariats-, Zivil- oder Personenstandsrecht, die in Standardwörterbüchern gar nicht oder ungenau erfasst sind, machen spezialisierte Rechtswörterbücher den Unterschied zwischen einer passablen und einer wirklich korrekten Übersetzung. Digitale Wörterbücher wie die von Acolada haben den großen Vorteil, dass sie sich schnell durchsuchen lassen und ortsunabhängig zur Verfügung stehen – ob im Büro, unterwegs oder am Laptop. Eine eigene Terminologiedatenbank im CAT-Tool ergänzt diese Nachschlagewerke ideal, wie Sarah bereits im Trados-Abschnitt beschreibt.

Digitale Wörterbücher wie die von Acolada ermöglichen schnelle, ortsunabhängige Recherchen. Sie sind besonders wertvoll bei juristischen oder behördlichen Begriffen.

DeepL (kostenlos)

DeepL bietet maschinelle Übersetzung in hoher Qualität und ist ideal zur Terminologierecherche oder zum schnellen Verständnis eines Dokuments.

Datenschutz-Hinweis:

  • Die kostenlose Version sendet Inhalte an Server außerhalb der EU.
  • Keine personenbezogenen Daten hochladen!
  • Für Urkunden nur mit DeepL Pro arbeiten, da dort keine Speicherung erfolgt.

ChatGPT / Claude / Gemini / Copilot (kostenlos)

KI‑Tools können bei Recherche, Strukturierung, Terminologie oder SEO‑Optimierung der eigenen Website helfen.

KI-Assistenten sind aus dem Arbeitsalltag vieler Übersetzerinnen nicht mehr wegzudenken – und das aus gutem Grund. Sie helfen beim Formulieren von E-Mails, beim Recherchieren unbekannter Behördennamen, beim Verstehen des Kontexts eines fremdsprachigen Begriffs oder beim Optimieren der eigenen Website-Texte für Suchmaschinen. Was sie jedoch nicht können: eine beglaubigte Übersetzung eigenverantwortlich und fehlerfrei erstellen. Urkundentexte enthalten Fachtermini, die KI-Modelle häufig ungenau oder schlicht falsch übersetzen – und das ohne jedes Warnsignal. Bitte unbedingt den Datenschutzhinweis beachten: In den kostenlosen Versionen werden eingegebene Texte unter Umständen für das Training der Modelle verwendet. Personenbezogene Daten aus Urkunden haben dort absolut nichts verloren.

Datenschutz-Hinweis:

  • In kostenlosen Versionen dürfen keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden.
  • Für Vorübersetzungen nur kostenpflichtige, datenschutzkonforme Varianten nutzen.
  • KI niemals als alleinige Übersetzungsquelle für Urkunden verwenden.

MyFonts – WhatTheFont (kostenlos)

Dieses Tool identifiziert Schriftarten aus Scans. Das ist besonders nützlich, wenn das Layout einer Urkunde möglichst originalgetreu nachgebildet werden soll.

Datenschutz-Hinweis: Nur den Schriftzug hochladen, nicht das gesamte Dokument.

Tools für Übersetzer: Verwaltung, Kundenmanagement, Auftragsmanagement

Buchhaltung Online: SevDesk und Lexware Office

Professionelle Übersetzer benötigen effiziente Tools für Rechnungen, Kundenverwaltung und Textbausteine. Es gibt eine ganze Reihe an Buchhaltungssoftware, aber wahrscheinlich sind Lexware Office und SevDesk die gängisten für Freelancer. Bei der Auswahl ist zu beachten, das auch Funktionen wie die Rechnungsstellung ohne Mehrwertsteuer in Drittländer möglich sein muss. Meistens ist diese Funktion erst in den teureren Paketen enthalten.

Diese cloudbasierten Buchhaltungssysteme ermöglichen Rechnungsstellung, Buchhaltung und Steuerexporte.

Datenschutz-Hinweis: Beide Anbieter sind DSGVO‑konform und hosten Daten in der EU.

Wir arbeiten mit Lexware Office

Wir haben verschiedene Programme ausprobiert und sind bei Lexware Office hängen geblieben – und wir müssen sagen: wir lieben es. In Lexoffice kann man Produkte und Dienstleistungen anlegen und blitzschnell Angebote schreiben: Wortpreise, Zeilen- oder Seitenpreise, Pauschalen für bestimmte Dokumente, Versandkosten – alles hinterlegt, das Angebot ist in Minuten fertig. Standardmäßig lassen sich Anhänge wie AGB, Infografiken oder Datenschutzhinweise automatisch mitsenden – ohne Klickerei.

Kunden lassen sich anlegen, das Geschäftskonto anbinden und Zahlungen werden automatisch verbucht. Belege lassen sich bequem per App scannen und hochladen. Die Elster-Schnittstelle macht die Umsatzsteuervoranmeldung zur Sache weniger Minuten, für den Jahresabschluss gibt es einen Steuerberaterzugang. Über das Dashboard behält man Einnahmen, Ausgaben und offene Rechnungen jederzeit im Blick – inklusive Mahnwesen und Auswertung der eigenen Beauftragungsquote. Wer Angestellte oder Minijobber beschäftigt, kann sogar die Lohnbuchhaltung direkt in Lexoffice abwickeln.

Bei den Jahresauswertungen ist Lexoffice ebenfalls gut aufgestellt: EÜR, Umsatzübersichten, Kostenauswertungen nach Kategorien – und neu hinzugekommen ist die BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung), die einen detaillierten Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens gibt. So hat man am Jahresende alles beisammen, was der Steuerberater braucht.

Der Support ist zuverlässig, Rückfragen werden persönlich und zeitnah beantwortet – und der Preis ist völlig in Ordnung.

LSP Expert

Ein CRM speziell für Übersetzer: Kunden, Aufträge, Angebote, Rechnungen und Untervergaben lassen sich zentral verwalten.

LSP Expert ist ein CRM, das speziell für die Bedürfnisse von Übersetzerinnen und Übersetzern entwickelt wurde – und das merkt man. Während allgemeine Buchhaltungsprogramme oft umständlich angepasst werden müssen, bildet LSP Expert den typischen Übersetzungsworkflow von Anfang an ab: Anfrage, Angebot, Auftrag, Lieferung, Rechnung. Auch die Untervergabe an Kolleginnen oder Lektoren lässt sich direkt im System verwalten. Für Urkundenübersetzerinnen, die mehrere Sprachkombinationen oder Dokumenttypen anbieten und dabei den Überblick behalten wollen, ist LSP Expert eine echte Erleichterung. Der Anbieter sitzt in Europa und arbeitet DSGVO-konform.

Datenschutz-Hinweis: Europäischer Anbieter, DSGVO‑konform.

PhraseExpress (kostenlos)

Ein Textbaustein-Tool, ideal für Beglaubigungsformeln, Behördennamen oder häufig wiederkehrende Formulierungen.

Wer häufig dieselben Formulierungen tippt – Beglaubigungsformeln, Behördennamen, Standardsätze in der Kundenkommunikation oder immer wiederkehrende Klauseln – spart mit PhraseExpress täglich wertvolle Minuten. Das Textbaustein-Tool läuft lokal auf dem Rechner und lässt sich in nahezu jede Anwendung integrieren: Word, Outlook, der Browser, das CAT-Tool. Einmal eingerichtet, reicht eine kurze Abkürzung, und der vollständige Text erscheint automatisch. Für Berufsanfängerinnen lohnt es sich, von Beginn an eine eigene Bausteinbibliothek aufzubauen – das zahlt sich schnell aus. Die Basisversion ist kostenlos und für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Nutzung möglich – sehr datenschutzfreundlich.

Tools für Übersetzer: Konvertieren von nicht editierbaren Dokumenten (OCR)

OCR‑Tools sind essenziell, um gescannte Urkunden in bearbeitbare Word‑Dateien umzuwandeln.

Microsoft Word (kostenlos)

Eine OCR-Lösung, die viele zunächst gar nicht auf dem Schirm haben, steckt bereits im täglich genutzten Microsoft Word: Das Programm kann PDFs direkt öffnen und in editierbaren Text umwandeln – ganz ohne zusätzliche Software. Für einfache, sauber gescannte Dokumente funktioniert das erstaunlich gut und spart im Arbeitsalltag manchen Umweg.

Die Bedienung ist denkbar einfach: Mit der rechten Maustaste auf die PDF-Datei klicken, „Öffnen mit“ wählen und Microsoft Word auswählen. Word konvertiert das Dokument automatisch und öffnet es als bearbeitbare Word-Datei. Ein kurzer Hinweis vorab: Je nach Word-Version erscheint zunächst eine Meldung, dass die Konvertierung etwas Zeit in Anspruch nehmen kann – das ist normal und kein Grund zur Sorge.

Das Ergebnis hängt allerdings stark von der Qualität des Scans ab. Bei sauberen, digitalen PDFs liefert Word solide Ergebnisse. Bei älteren oder schlechter lesbaren Scans – wie sie bei Urkunden leider häufig vorkommen – stoßen die eingebauten Möglichkeiten schnell an ihre Grenzen: Formatierungen verrutschen, Sonderzeichen werden falsch erkannt oder Textblöcke landen an der falschen Stelle. In solchen Fällen ist ABBYY FineReader klar im Vorteil. Als erste schnelle Lösung für unkomplizierte Dokumente ist die Word-Funktion jedoch praktisch – zumal sie komplett kostenlos und ohne zusätzliche Installation verfügbar ist. Und da alles lokal auf dem eigenen Rechner verarbeitet wird, gibt es auch aus datenschutzrechtlicher Sicht nichts zu beanstanden.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Verarbeitung, daher sehr sicher.

ABBYY FineReader PDF

Das beste OCR‑Tool auf dem Markt, besonders zuverlässig bei schwierigen Scans.

Wer regelmäßig mit gescannten Urkunden arbeitet, kommt an ABBYY FineReader kaum vorbei. Das Programm gilt seit Jahren als Goldstandard unter den OCR-Tools und erkennt Text auch in schwierigen Scans – schräg fotografierte Dokumente, verblasste Stempel oder handschriftliche Ergänzungen – deutlich zuverlässiger als die eingebaute OCR-Funktion von Word oder Adobe. Besonders praktisch: ABBYY erkennt die Dokumentstruktur und übernimmt Spalten, Tabellen und Textblöcke so, dass das konvertierte Word-Dokument bereits gut vorformatiert ist. Da die Software lokal installiert wird, bleiben sensible Urkundendaten auf dem eigenen Rechner – ein klarer Pluspunkt in Sachen Datenschutz.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Installation – personenbezogene Daten bleiben auf dem Gerät.

PDF‑XChange Editor Plus

Günstige Alternative mit Abbyy‑OCR‑Engine (manuell aktivierbar). Sehr gutes Preis‑Leistungs‑Verhältnis.

Der PDF‑XChange Editor Plus ist eine leistungsstarke und dabei erstaunlich günstige Alternative zu ABBYY FineReader – ideal für alle, die ein solides OCR-Tool suchen, ohne den vollen Preis einer ABBYY-Lizenz zu zahlen. Das Programm bringt eine eigene OCR-Engine mit und kann gescannte PDFs zuverlässig in durchsuchbare oder editierbare Dokumente umwandeln. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und für den täglichen Einsatz gut geeignet.

Ein besonderes Highlight: In bestimmten Versionen des PDF‑XChange Editor Plus lässt sich die ABBYY FineReader OCR-Engine als zusätzliche Option aktivieren – und wer ABBYY kennt, weiß, was das bedeutet: nochmals deutlich bessere Erkennungsraten, besonders bei schwierigen Scans mit verblasstem Text, Stempeln oder ungewöhnlichen Schriftarten. Wichtig dabei: Diese Funktion ist nicht automatisch aktiv, sondern muss manuell in den Einstellungen aktiviert werden, und sie steht nicht in allen Versionen zur Verfügung. Es lohnt sich also, vor dem Kauf gezielt zu prüfen, ob die gewählte Version die ABBYY-Integration unterstützt.

Für Urkundenübersetzerinnen, die gelegentlich mit schwierigen Scans zu tun haben, aber nicht täglich auf Hochleistungs-OCR angewiesen sind, bietet der PDF‑XChange Editor Plus ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und da das Programm lokal installiert wird, bleiben sensible Dokumenteninhalte – wie es sich für die Arbeit mit Urkunden gehört – auf dem eigenen Rechner.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Installation – personenbezogene Daten bleiben auf dem Gerät.

XnView (kostenlos)

Wer mit schwierigen Scans zu kämpfen hat – verblasster Text, dunkler Hintergrund, schlechter Kontrast – kann mit XnView die Bildqualität vor der OCR-Verarbeitung gezielt verbessern. Liegt nur ein PDF vor, solltet ihr es zunächst in eine Bilddatei umwandeln, dann in XnView öffnen, Kontrast und Helligkeit anpassen, Hintergründe aufhellen– und anschließend kann das sauberere Bild mit dem entsprechenden OCR-Programm konvertiert werden. Das spart Nachbearbeitungszeit und verbessert die Erkennungsqualität spürbar.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Installation – vollständig datenschutzkonform.

Tools für Übersetzer: Eigene Website

Eine professionelle Website ist für Urkundenübersetzer unverzichtbar. Hier die wichtigsten Systeme im Überblick. Mit Hilfe von YouTube & Co. und dem richtigen Tool kann man sich alleine eine Webseite basteln, die Frage ist nur, wie weit man gehen will, wie viel Zeit und/oder man in die Sache investieren möchte, ob man selbst schon über genügend IT-Kenntnisse verfügt, um die Seite technisch richtig zu erstellen und wie flexibel und anpassbar die Seite in Zukunft sein soll. Vorgefertigte Baukastensysteme wie Wix und Lovable haben Grenzen. Mit WordPress hingegen bleibt man voll flexibel. Jeder Webdesigner kann mit WordPress arbeiten und jederzeit unterstützen. Oder man lässt sich die Seite doch gleich von Anfang an von einem Profi erstellen.

Hier geben wir dir einen Überblick, über ein paar Tools, die derzeit zur Verfügung stehen.

WordPress (selbst gehostet)

WordPress ist flexibel, günstig und ideal für professionelle Websites. Die Seite kann mit oder ohne IT-Support flexibel angepasst werden – wer sich ein bisschen einarbeitet, kann vieles selbst erledigen, und wer lieber einen Profi hinzuzieht, findet in jedem WordPress-erfahrenen Webdesigner sofort Unterstützung. WordPress an sich ist kostenlos, und es gibt eine riesige Auswahl an kostenlosen Templates, die auch ohne Design-Kenntnisse zu einer ansprechenden Website führen. Man beginnt erst beim Hosting-Dienst zu zahlen.

Für deutschsprachige Urkundenübersetzerinnen empfehlen sich Hosting-Anbieter mit deutschen Servern und deutschsprachigem Support. IONOS, STRATO und Hetzner sind hier die bekanntesten Optionen – alle drei bieten eine unkomplizierte WordPress-Installation mit wenigen Klicks. IONOS und STRATO sind sich in Leistung und Benutzerfreundlichkeit sehr ähnlich und punkten beide mit einem sehr guten integrierten Webmailer, der sich gut für die tägliche Geschäftskommunikation eignet. Im direkten Preisvergleich ist IONOS in der Regel etwas günstiger als STRATO. Wer es noch preiswerter mag und etwas technikaffiner ist, wird bei Hetzner fündig – der Anbieter ist der günstigste der drei, richtet sich aber eher an Nutzerinnen, die mit etwas technischeren Einstellungen umgehen können oder möchten.

Datenschutz-Hinweis:

  • Serverstandort frei wählbar (z. B. Deutschland).
  • Sehr gute DSGVO‑Kontrolle.

Wix

Ein einfaches Drag‑&‑Drop‑System, ideal für Einsteiger. Allerdings weniger flexibel und mit globalem Cloud‑Hosting.

Datenschutz-Hinweis:

  • Serverstandort nicht frei wählbar.
  • Nur eingeschränkt DSGVO‑konform.

Lovable (AI Website Builder)

KI‑generierte Websites, sehr schnell und modern.

Datenschutz-Hinweis: Hosting über globale Cloud/CDN – kein EU‑Server wählbar.

Hostinger Website Builder (AI)

Günstiger All‑in‑One‑Anbieter mit wählbaren EU‑Serverstandorten (z. B. Deutschland, Niederlande, Frankreich).

Datenschutz-Hinweis: Gute DSGVO‑Optionen dank EU‑Hosting.

10Web (AI + WordPress)

Kombiniert KI‑Website‑Erstellung mit echtem WordPress. Hosting über Google Cloud mit EU‑Regionen wie Frankfurt.

Datenschutz-Hinweis: DSGVO‑freundlich, wenn EU‑Region gewählt wird.

Tools für Übersetzer: Elektronische Unterschrift / D‑Trust

Wer beglaubigte Übersetzungen digital abliefern möchte, kommt um die qualifizierte elektronische Signatur (QES) nicht herum – sie ist das digitale Äquivalent zur handschriftlichen Unterschrift und in der EU rechtlich gleichgestellt. Für Urkundenübersetzerinnen ist das besonders relevant, seit immer mehr Auftraggeber und Behörden vollständig digitale Workflows bevorzugen oder sogar voraussetzen.

In Deutschland ist D‑Trust, eine Tochtergesellschaft der Bundesdruckerei, einer der wichtigsten Anbieter für qualifizierte elektronische Signaturen. Die QES wird über eine Signaturkarte und ein Kartenlesegerät ausgestellt und genutzt – ein Prozess, der einmalig etwas Einrichtungsaufwand erfordert, im Alltag aber reibungslos funktioniert. Wichtig: Nicht jede digitale Unterschrift ist automatisch eine QES. Einfache oder fortgeschrittene elektronische Signaturen – wie sie etwa in vielen PDF-Programmen oder Unterschriften-Apps erzeugt werden – erfüllen nicht die rechtlichen Anforderungen an eine beglaubigte Übersetzung.

Ein angenehmer Nebeneffekt der lokalen Nutzung: Da Signaturkarte und Software auf dem eigenen Rechner betrieben werden, entstehen keine Cloud-Risiken – ein klarer Pluspunkt beim Umgang mit sensiblen Urkundendaten.

Gerätesoftware für Kartenlesegeräte

Die Software zum Kartenleser wird kostenlos mit dem Kartenlesegerät geliefert und ist vom QES‑Aussteller empfohlen.

Datenschutz-Hinweis: Lokale Nutzung, keine Cloud‑Risiken.

Unterzeichnungssoftware (z. B. DigiSeal)

Neben der Signaturkarte und dem Kartenlesegerät braucht es eine passende Software, die das eigentliche Signieren der Dokumente übernimmt. Hier kommt zum Beispiel DigiSeal von der Berliner Firma secrypt ins Spiel – ein in Deutschland weit verbreitetes und bewährtes Tool, das speziell für den Einsatz mit qualifizierten elektronischen Signaturen entwickelt wurde.

Die Bedienung ist im Alltag unkompliziert: Das fertige Dokument wird in DigiSeal geöffnet, die Signaturkarte eingesteckt, die PIN eingegeben – und die QES wird direkt in das PDF eingebettet. Das signierte Dokument ist anschließend manipulationssicher und rechtlich einer handschriftlich unterzeichneten Beglaubigung gleichgestellt. Viele Übersetzerinnen kombinieren DigiSeal mit ABBYY FineReader und Word zu einem durchgehend digitalen Workflow: Scan konvertieren, übersetzen, formatieren, signieren – alles ohne ein einziges ausgedrucktes Blatt Papier.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Unterzeichnungssoftware unterstützt die qualifizierte elektronische Signatur. Manche Programme erzeugen lediglich einfache oder fortgeschrittene Signaturen, die für beglaubigte Übersetzungen nicht ausreichen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte gezielt nach Software suchen, die explizit für QES-Karten zugelassen ist und mit dem jeweiligen Kartenlesegerät sowie dem D‑Trust-Zertifikat kompatibel ist – im Zweifelsfall gibt D‑Trust selbst Empfehlungen heraus.

Da DigiSeal und vergleichbare Tools lokal auf dem Rechner installiert werden und keine Cloud-Verbindung für den Signiervorgang benötigen, bleiben sensible Urkundendaten zu jedem Zeitpunkt auf dem eigenen Gerät. Ein klarer Pluspunkt für alle, die beim Thema Datenschutz keine Kompromisse eingehen möchten – und das sollte bei der Arbeit mit personenbezogenen Dokumenten selbstverständlich sein.

Datenschutz-Hinweis: DSGVO‑konform, da lokal installiert.

Fazit: Effizienz durch das richtige Tool-Set

Die vorgestellten Werkzeuge bilden das Rückgrat einer modernen Urkundenübersetzung. Während CAT-Tools (Trados, Wordfast, MemoQ) und digitale Fachwörterbücher (Acolada) für terminologische Präzision und Konsistenz sorgen, beschleunigen KI-Assistenten und DeepL Pro die Recherche – sofern sie datenschutzkonform genutzt werden.

Für ein professionelles Gesamtpaket wird dieser Workflow durch präzise Layout-Hilfen wie WhatTheFont, eine starke Web-Präsenz via WordPress sowie eine effiziente Verwaltung durch Lexware Office oder LSP Expert ergänzt. In der Summe verwandeln diese Tools den Übersetzungsprozess in ein hocheffizientes System, das Zeit spart und höchste Qualitätsstandards im Urkundenwesen sichert.

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Claudia Schultze Urkundenübersetzerin

Beitrag erstellt am 27.04.2026

von Claudia Schultze

Diplom-Übersetzerin Spanisch und Tschechisch
Ermächtigt für die spanische und tschechische Sprache vom LG Potsdam

Inhaberin von CS Übersetzungen
https://claudiaschultze.de/
Mitbegründerin von Schneider & Schultze Urkundenübersetzungen GbR